Mantra, Mantras
Silben, Worte oder kurze Sätze, die neben ihrer Bedeutung eine besondere innewohnende Kraft besitzen. Mantras haben eine Klang- und Resonanzwirkung sowie meist eine metaphysische oder mystische Bedeutung. In jeder Kultur, in jeder Sprache gab es seit Alters her solche magischen Worte. Das Wort Mantra stammt aus dem Sanskrit und besteht aus den Wurzeln "manas" und "tra". "Manas" ist die Gesamtheit der Gedanken- und Gefühlswelt mit all den Wünschen und Ängsten. "Tra" bedeutet rettend, haltend oder beschützend. Mantras sind Worte, die eine sammelnde Wirkung auf das Gemüt ausüben. Sie haben eine Art Schlüsselfunktion inne. Mit ihrer Hilfe können wir bestimmte Energie- und Resonanzfelder im Körper und in der Seele erschließen.
Die meisten Mantras sind in Sanskrit überliefert worden. Sanskrit ist eine der ältesten Sprachen der Welt. In den Schriften aus der vedischen Zeiten wird berichtet, daß Rishis, die Weisen jener Zeit, intuitiv die mantrischen Weisheiten erfaßten oder empfingen. Diese Erfahrungen können auch heute bei richtiger Anwendung der Mantras wachgerufen werden. Bekannt sind auch die Mantras, die aus einzelnen oder zusammengesetzten Buchstaben bestehen, die sogenannten Bija-Mantras oder Keim-Mantras. Die Buchstaben, die solche Mantras bilden heißen Bija Aksaras. In der hinduistischen Religion wird jede Gottheit durch ein "Bija Aksara" repräsentiert, das in der menschlichen Sprache das nächstliegende Äquivalent zur Form des "Nada" ist, der Tonschwingung, die im Augenblick der Manifestierung der Gottheit entsteht. Diese Aksaras oder die Mantras werden als Worte der Anrufung an jene Gottheit gebraucht. Das bekannteste von diesen Keimmantras ist Pranava "Om" für Brahman. Die Chakra-Lehre im Yoga enthält auch die Lehre der Keimsilben zu jedem Chakra. Es gibt Richtungen, die dies systematisch erfaßt und beschrieben haben.
Die Mantra-Übung wird auch schon in der Bhagavat Gita erwähnt. Sri Krishna sagte in der Bhagavat Gita (10-25):
Unter allen Rishis bin ich Bhrig
unter allen Wörtern bin ich die Silbe Om
unter allen Anbetungsformen bin ich die Wiederholung von Mantras
unter allen Bergmassiven bin ich der Himalaya
Die Wirkung von Mantras ist wunderbar, wenn sie in geeigneter Form wiederholt werden. Die heiligen Schriften Indiens sind voll mit Anekdoten über Personen, die übermenschliche und übernatürliche Kräfte durch Chanten von Mantras erlangt haben. Die Veden, insbesondere das Rig-Veda enthält Tausende Mantras. Diese Mantras werden für hoch wirksam erachtet, auch dann, wenn ihre Bedeutung nicht bekannt ist. Tatsächlich hat die wörtliche Bedeutung oft wenig mit der Kraft zu tun, die Mantras verleihen. Unser Geist, unsere Handlungen und die Dinge unserer Umgebung können durch Mantras gereinigt und mit geistiger Kraft aufgeladen werden. Die besondere Schwingung von heiligen Plätzen und Pilgerzentren entstand dadurch, daß irgendwann jemand an diesen Orten heilige Mantras sang. Danach übten diese Orte eine hohe geistige Anziehungskraft aus. Die Schwingungen, die mit dem Singen des Mantras in Gang gesetzt werden, machen unsere feine Empfindungen für geistige Erkenntnis empfänglich. Brahman, das höchste und unvergängliche Wesen wird nicht nur als Licht, sondern auch als Klang beschrieben. Der Klang, den jedes Wesen von sich gibt, macht unzählige Wellen im Klangmeer, die sich in die Atmosphäre bewegen. Diese Gesamtatmosphäre bedingt kosmische Wechselwirkungen. Mantras wirken auf diese Klangatmosphäre ein.
Welche Rolle spielt der Klang und der Atem bei Mantras?
Jeder Buchstabe, jedes Wort und jede Silbe hat neben der Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch zusätzlich noch eine Klanginformation, ein besonderes Klangmuster. Träger dieser Klangmuster ist zum einen unser Körper, der aus verschiedenen Elementen besteht und zum anderen der Luftstrom, der durch unseren Atem geführt wird. Zwerchfell, Kehlkopf, Mund, Lippen, Zungen und der unterschiedlich geführte Luftstrom sind an der Klangbildung beteiligt. Jedem Klangmuster liegt ein bestimmtes Atemmuster und bestimmte Führung des Atemstroms zugrunde. Der Atem ist mit Lebensenergie gefüllt. In der Yoga-Sprache wird sie die Prana-Kraft genannt. Dem Prana-Yama, dem Ausgleich der Atemkraft, wurde dabei große Bedeutung beigemessen. Daher haben Mantras zugleich eine atemaktivierende und ausgleichende Wirkung. Jedem Atemmuster liegt auf anderer Ebene ein Energiemuster zugrunde. Beim Atmen und der Stimmbildung entstehen feine Reibungen durch Luftströme, die das Gewebe und die Körperzellen in Schwingung versetzen. Diese wiederum löst chemische und elektrophysikalische Reaktionen auf z.B. Hirnwellen, Hautströmungen und Muskeltonus aus. Die Mantra-Anwendung stellt eine subtile Energiearbeit dar.
Wie sollten Mantras angewendet werden?
Der Körper soll entspannt ruhen und die Gedanken sich auf den Inhalt des Mantras konzentrieren. In gesungener Form können Mantras eine Starke Wirkung entfalten. Der Mantragesang mit seiner subtilen, immer wiederkehrenden Melodie verhilft dem Menschen, sich einen vegetativen Ausgleich und eine seelische und körperlichen Entspannung zu verschaffen. Die Anwendung ist jedoch individuell sehr verschieden. Manche, die gerne in der Stille meditieren und sich auch entsprechend konzentrieren können, werden Mantras nur im Stillen geistig wiederholen. Andere, die Freude an der Stimme haben und gerne mit der Stimme arbeiten, werden das eigene Singen oder Mitsingen bevorzugen. Wieder andere können ein Mantra am besten durch Hören verinnerlichen und sich dabei hervorragend konzentrieren und meditieren. Es wird jedoch in der Regel eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, bis das Gemüt sich ausreichend darauf einstellen und die Wirkung eintreten kann. Es ist zu empfehlen, Mantras oder Mantra-Gesänge vorwiegend ungestört mit hingebungsvoller Haltung anzuwenden, damit die Wirkung erhalten bleibt.
Welche Bedeutung kommt der Wiederholung von Mantras zu?
Durch Wiederholung werden die wandernden Gedanken an das Mantra gebunden. Das Gemüt bekommt durch die Wiederholung des Mantras eine einfache, wirkungsvolle, Aufgabe. Dadurch wird eine spontan eintretende meditative Wirkung erreicht. Die Wiederholung bewirkt, daß das Mantra vollkommen im Bewußtsein gegenwärtig wird. Eine Verbindung vom inneren Mikro- zu äußeren Makrokosmos wird hergestellt. Ein subtiler Energiestrom kommt in Fluß. Vergegenwärtigung des Inhalts ist ein ganz wichtiger Vorgang beim Gebrauch von Mantras. Es bedeutet die Herbeiführung eines Bewußtseinszustandes in die Gegenwart, die Überbrückung von Zeit und Raum zum Hier und Jetzt. Die Vergegenwärtigung bedeutet auch, daß man sich der vollkommenen Gegenwart bewußt wird und dabei Vergangenes und Zukünftiges in der gegenwärtigen unmittelbaren Seinserfahrung vereint. Entsprechende Bedeutung von Mantras wie Tat tvamasi - das bist Du - oder So Hang - das bin ich - gehen auf solche unmittelbar erfaßte meditative Seinserfahrungen zurück.
Welche Rolle spielt die Sprache bei Mantras?
Mantras kann und sollte man nicht in eine andere Sprache zu übersetzen versuchen, denn dies verändert den ursprünglichen Charakter. Die Klangwirkung entsteht dann nicht in gleicher Weise. Sanskrit ist für Mantras eine besondere Sprache. Viele europäische Sprachen haben übrigens ihre Wurzeln im Sanskrit, so daß diese Sprache nicht völlig fremd ist. Mantrische Gebete haben in ihrer ursprünglichen Sprachform eine ganz andere Klang- und Resonanzwirkung. Früher wurde das traditionelle christliche "Vater unser" in der griechischen Fassung auch eher intoniert. Auch die Gatas, die heiligen Sprüche Zarathustras, wurden gesungen. Die Wirkungsweise von Sanskrit-Mantras wird heute wissenschaftlich untersucht. Dabei wird immer wieder durch Fremd- oder Eigenexperimente beobachtet, daß Menschen eine besondere innere Stille und tiefgehende Selbstintegration erfahren. Dabei spielt die sprachliche und kulturelle Zugehörigkeit nur eine untergeordnete Rolle.
Ist die Mantra-Anwendung eine besondere Meditationsform?
Ich meine, die Meditation als solche sollte ein Akt der Hingabe zum Göttlichen sein. Alle meditativen Wege, die dies vermitteln sind zu empfehlen. Geistig spirituelle Angelegenheit ist nicht eine Sache des Intellekts oder des Könnens, des Besitzes usw. Echte spirituelle Erfahrung ist ein die Grenzen der eigenen Person überschreitendes Moment des Erlebens. Die Meditation ist nicht etwas, was man mit Wollen oder eigener Kontrolle allein herbeiführen kann. Der meditative Gemütszustand kann nur von selbst eintreten. Stille Meditation gelingt nicht auf Anhieb und ist bei der heutigen Einbindung in die Arbeitswelt sehr schwer. Der Mantra-Gesang begleitet den Geist. Es fällt dadurch etwas leichter, auf den Inhalt zu meditieren. Da sind Mantras meiner Erfahrung nach bildlich gesprochen wie ein Boot, in das man einsteigen kann, um in den See seiner seelischen Welt hinein zu rudern. Es ist dadurch einfacher.
Wie kann man Mantras zur Heilung benutzen?
Es gibt ein erhebliches Potential von Heilungskräften im Inneren des Menschen, die zur Gesunderhaltung oder Unterstützung bei der Heilung von Krankheiten eingesetzt werden könnten. Viele Menschen haben den Wunsch ihre eigenen innere Kräfte gezielter und bewußter zu nutzen. Mantras stellen hierbei eine wichtige Hilfe dar. Die eingeleitete meditative Tiefenentspannung spielt dabei eine wichtige Rolle. Mantras haben verschiedene Ebenen der Heilwirkung. Eine Ebene ist die körperliche, bei der die Vibrationen quasi als feinstoffliche Schwingungsmassage genutzt werden. Auf der gefühlsmäßigen Ebene werden heilsame Gefühle erweckt. Ruhe, Gelassenheit, Freude, Liebe und Versöhnung werden im Inneren erlebt. Dies könnte man auch als Heilung des Herzens bezeichnen. Unbewußte Gefühlsblockaden lösen sich. Wir bekommen wieder den Zugang zu unserer inneren seelischen Welt. Eine weitere Dimension der Wirkung ist die transpersonale oder tranzendente, die ins Unbeschreibliche hinein geht.
Beeinflußt der Mantra-Gesang die Schlafqualität?
An einer Stelle der altindischen Schriften Upanischaden heißt es: "Im Schlaf steht der Mensch seinem Selbst, dem Atman, nahe". Der Schlaf selbst ist ein Mysterium und ließ der Forschung noch viele Fragen offen. Die Beseitigung von Schlafstörungen mit natürlichen Mitteln ist eine wichtige Angelegenheit. Bereits in der Antike wurde der Schlaf zur Heilung eingesetzt und als Heilschlaf bezeichnet. Heilschlaf wurde mit der Rezitation von Sprüchen und Musik eingeleitet. Die Einleitung des Schlafes mit Mantra-Gesängen soll einen ähnlichen Zweck erfüllen, dabei wird die beruhigende Wirkung der Wiederholung zur Überleitung in den Schlaf genutzt. Die Mantras wirken dann auf das Unterbewußte weiter und setzen ihre wohltuende Schwingung noch eine Weile fort.
Wie werden die Mantra-Gesänge musikalisch begleitet?
Bei den Mantra-Gesängen handelt es sich um zeitgenössische Sakralmusik, aufbauend auf durch Mantras inspirierten Meditationserfahrungen. Maßgeblich ist hierbei die Entwicklung der durch die Singstimme geleiteten Mantras aus einem noch undifferenzierten Musikstrom. Der undifferenzierte Klangstrom gilt als kosmisches Klangäquivalent endloser und ungeformter Energie und ist daher Ursprung und Gestaltungsmasse jeder Schöpfung. Dieser Klangstrom wird in der indischen Musik traditionell durch das indische Saiteninstrument Tanpura als Begleitung von Gesang und Soloinstrumenten als ständig gegenwärtiger Urklang im Hintergrund mitgeführt. Der charakteristisch surrende Klang erzeugt dabei eine kosmisch pulsierende Klangenergie, in der der Hörer endlose Melodien und Rhythmen hineinzuhören glaubt, sie sind quasi vorhanden aber unmanifestiert und werden nur als Potential erahnt. Auf der Basis dieser auf einen Grundton gestimmten Klangmasse erhebt sich der Mantra-Gesang, der aus geheimnisvollen Sanskrit-Silben besteht. Der Mantra-Gesang lebt aus der mystischen Verschmelzung mit dem Grundton, der als vorschöpferische Urkraft empfunden wird. Er ist aktuell praktizierte geistige Übung in der der Musikmystiker während seiner Übung versucht sich von seiner oberflächlichen äußeren Natur über die Tiefe des Klangs zu seinem seelischen Ursprung und zu seiner Mitte zu gelangen. Die Mantras werden intermittierend von Pausen gesungen. In diesen Pausen findet eine weitere stillschweigende Verinnerlichung statt, in dem der Nachhall und die Resonanz auf das menschliche Gemüt nachgespürt wird. (Mohani Heitel, aus Indien stammende Ärztin, Psychotherapeutin und Mantra-Sängerin, http://www.smirti.de/mant.htm)
Die meisten Mantras sind in Sanskrit überliefert worden. Sanskrit ist eine der ältesten Sprachen der Welt. In den Schriften aus der vedischen Zeiten wird berichtet, daß Rishis, die Weisen jener Zeit, intuitiv die mantrischen Weisheiten erfaßten oder empfingen. Diese Erfahrungen können auch heute bei richtiger Anwendung der Mantras wachgerufen werden. Bekannt sind auch die Mantras, die aus einzelnen oder zusammengesetzten Buchstaben bestehen, die sogenannten Bija-Mantras oder Keim-Mantras. Die Buchstaben, die solche Mantras bilden heißen Bija Aksaras. In der hinduistischen Religion wird jede Gottheit durch ein "Bija Aksara" repräsentiert, das in der menschlichen Sprache das nächstliegende Äquivalent zur Form des "Nada" ist, der Tonschwingung, die im Augenblick der Manifestierung der Gottheit entsteht. Diese Aksaras oder die Mantras werden als Worte der Anrufung an jene Gottheit gebraucht. Das bekannteste von diesen Keimmantras ist Pranava "Om" für Brahman. Die Chakra-Lehre im Yoga enthält auch die Lehre der Keimsilben zu jedem Chakra. Es gibt Richtungen, die dies systematisch erfaßt und beschrieben haben.
Die Mantra-Übung wird auch schon in der Bhagavat Gita erwähnt. Sri Krishna sagte in der Bhagavat Gita (10-25):
Unter allen Rishis bin ich Bhrig
unter allen Wörtern bin ich die Silbe Om
unter allen Anbetungsformen bin ich die Wiederholung von Mantras
unter allen Bergmassiven bin ich der Himalaya
Die Wirkung von Mantras ist wunderbar, wenn sie in geeigneter Form wiederholt werden. Die heiligen Schriften Indiens sind voll mit Anekdoten über Personen, die übermenschliche und übernatürliche Kräfte durch Chanten von Mantras erlangt haben. Die Veden, insbesondere das Rig-Veda enthält Tausende Mantras. Diese Mantras werden für hoch wirksam erachtet, auch dann, wenn ihre Bedeutung nicht bekannt ist. Tatsächlich hat die wörtliche Bedeutung oft wenig mit der Kraft zu tun, die Mantras verleihen. Unser Geist, unsere Handlungen und die Dinge unserer Umgebung können durch Mantras gereinigt und mit geistiger Kraft aufgeladen werden. Die besondere Schwingung von heiligen Plätzen und Pilgerzentren entstand dadurch, daß irgendwann jemand an diesen Orten heilige Mantras sang. Danach übten diese Orte eine hohe geistige Anziehungskraft aus. Die Schwingungen, die mit dem Singen des Mantras in Gang gesetzt werden, machen unsere feine Empfindungen für geistige Erkenntnis empfänglich. Brahman, das höchste und unvergängliche Wesen wird nicht nur als Licht, sondern auch als Klang beschrieben. Der Klang, den jedes Wesen von sich gibt, macht unzählige Wellen im Klangmeer, die sich in die Atmosphäre bewegen. Diese Gesamtatmosphäre bedingt kosmische Wechselwirkungen. Mantras wirken auf diese Klangatmosphäre ein.
Welche Rolle spielt der Klang und der Atem bei Mantras?
Jeder Buchstabe, jedes Wort und jede Silbe hat neben der Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch zusätzlich noch eine Klanginformation, ein besonderes Klangmuster. Träger dieser Klangmuster ist zum einen unser Körper, der aus verschiedenen Elementen besteht und zum anderen der Luftstrom, der durch unseren Atem geführt wird. Zwerchfell, Kehlkopf, Mund, Lippen, Zungen und der unterschiedlich geführte Luftstrom sind an der Klangbildung beteiligt. Jedem Klangmuster liegt ein bestimmtes Atemmuster und bestimmte Führung des Atemstroms zugrunde. Der Atem ist mit Lebensenergie gefüllt. In der Yoga-Sprache wird sie die Prana-Kraft genannt. Dem Prana-Yama, dem Ausgleich der Atemkraft, wurde dabei große Bedeutung beigemessen. Daher haben Mantras zugleich eine atemaktivierende und ausgleichende Wirkung. Jedem Atemmuster liegt auf anderer Ebene ein Energiemuster zugrunde. Beim Atmen und der Stimmbildung entstehen feine Reibungen durch Luftströme, die das Gewebe und die Körperzellen in Schwingung versetzen. Diese wiederum löst chemische und elektrophysikalische Reaktionen auf z.B. Hirnwellen, Hautströmungen und Muskeltonus aus. Die Mantra-Anwendung stellt eine subtile Energiearbeit dar.
Wie sollten Mantras angewendet werden?
Der Körper soll entspannt ruhen und die Gedanken sich auf den Inhalt des Mantras konzentrieren. In gesungener Form können Mantras eine Starke Wirkung entfalten. Der Mantragesang mit seiner subtilen, immer wiederkehrenden Melodie verhilft dem Menschen, sich einen vegetativen Ausgleich und eine seelische und körperlichen Entspannung zu verschaffen. Die Anwendung ist jedoch individuell sehr verschieden. Manche, die gerne in der Stille meditieren und sich auch entsprechend konzentrieren können, werden Mantras nur im Stillen geistig wiederholen. Andere, die Freude an der Stimme haben und gerne mit der Stimme arbeiten, werden das eigene Singen oder Mitsingen bevorzugen. Wieder andere können ein Mantra am besten durch Hören verinnerlichen und sich dabei hervorragend konzentrieren und meditieren. Es wird jedoch in der Regel eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, bis das Gemüt sich ausreichend darauf einstellen und die Wirkung eintreten kann. Es ist zu empfehlen, Mantras oder Mantra-Gesänge vorwiegend ungestört mit hingebungsvoller Haltung anzuwenden, damit die Wirkung erhalten bleibt.
Welche Bedeutung kommt der Wiederholung von Mantras zu?
Durch Wiederholung werden die wandernden Gedanken an das Mantra gebunden. Das Gemüt bekommt durch die Wiederholung des Mantras eine einfache, wirkungsvolle, Aufgabe. Dadurch wird eine spontan eintretende meditative Wirkung erreicht. Die Wiederholung bewirkt, daß das Mantra vollkommen im Bewußtsein gegenwärtig wird. Eine Verbindung vom inneren Mikro- zu äußeren Makrokosmos wird hergestellt. Ein subtiler Energiestrom kommt in Fluß. Vergegenwärtigung des Inhalts ist ein ganz wichtiger Vorgang beim Gebrauch von Mantras. Es bedeutet die Herbeiführung eines Bewußtseinszustandes in die Gegenwart, die Überbrückung von Zeit und Raum zum Hier und Jetzt. Die Vergegenwärtigung bedeutet auch, daß man sich der vollkommenen Gegenwart bewußt wird und dabei Vergangenes und Zukünftiges in der gegenwärtigen unmittelbaren Seinserfahrung vereint. Entsprechende Bedeutung von Mantras wie Tat tvamasi - das bist Du - oder So Hang - das bin ich - gehen auf solche unmittelbar erfaßte meditative Seinserfahrungen zurück.
Welche Rolle spielt die Sprache bei Mantras?
Mantras kann und sollte man nicht in eine andere Sprache zu übersetzen versuchen, denn dies verändert den ursprünglichen Charakter. Die Klangwirkung entsteht dann nicht in gleicher Weise. Sanskrit ist für Mantras eine besondere Sprache. Viele europäische Sprachen haben übrigens ihre Wurzeln im Sanskrit, so daß diese Sprache nicht völlig fremd ist. Mantrische Gebete haben in ihrer ursprünglichen Sprachform eine ganz andere Klang- und Resonanzwirkung. Früher wurde das traditionelle christliche "Vater unser" in der griechischen Fassung auch eher intoniert. Auch die Gatas, die heiligen Sprüche Zarathustras, wurden gesungen. Die Wirkungsweise von Sanskrit-Mantras wird heute wissenschaftlich untersucht. Dabei wird immer wieder durch Fremd- oder Eigenexperimente beobachtet, daß Menschen eine besondere innere Stille und tiefgehende Selbstintegration erfahren. Dabei spielt die sprachliche und kulturelle Zugehörigkeit nur eine untergeordnete Rolle.
Ist die Mantra-Anwendung eine besondere Meditationsform?
Ich meine, die Meditation als solche sollte ein Akt der Hingabe zum Göttlichen sein. Alle meditativen Wege, die dies vermitteln sind zu empfehlen. Geistig spirituelle Angelegenheit ist nicht eine Sache des Intellekts oder des Könnens, des Besitzes usw. Echte spirituelle Erfahrung ist ein die Grenzen der eigenen Person überschreitendes Moment des Erlebens. Die Meditation ist nicht etwas, was man mit Wollen oder eigener Kontrolle allein herbeiführen kann. Der meditative Gemütszustand kann nur von selbst eintreten. Stille Meditation gelingt nicht auf Anhieb und ist bei der heutigen Einbindung in die Arbeitswelt sehr schwer. Der Mantra-Gesang begleitet den Geist. Es fällt dadurch etwas leichter, auf den Inhalt zu meditieren. Da sind Mantras meiner Erfahrung nach bildlich gesprochen wie ein Boot, in das man einsteigen kann, um in den See seiner seelischen Welt hinein zu rudern. Es ist dadurch einfacher.
Wie kann man Mantras zur Heilung benutzen?
Es gibt ein erhebliches Potential von Heilungskräften im Inneren des Menschen, die zur Gesunderhaltung oder Unterstützung bei der Heilung von Krankheiten eingesetzt werden könnten. Viele Menschen haben den Wunsch ihre eigenen innere Kräfte gezielter und bewußter zu nutzen. Mantras stellen hierbei eine wichtige Hilfe dar. Die eingeleitete meditative Tiefenentspannung spielt dabei eine wichtige Rolle. Mantras haben verschiedene Ebenen der Heilwirkung. Eine Ebene ist die körperliche, bei der die Vibrationen quasi als feinstoffliche Schwingungsmassage genutzt werden. Auf der gefühlsmäßigen Ebene werden heilsame Gefühle erweckt. Ruhe, Gelassenheit, Freude, Liebe und Versöhnung werden im Inneren erlebt. Dies könnte man auch als Heilung des Herzens bezeichnen. Unbewußte Gefühlsblockaden lösen sich. Wir bekommen wieder den Zugang zu unserer inneren seelischen Welt. Eine weitere Dimension der Wirkung ist die transpersonale oder tranzendente, die ins Unbeschreibliche hinein geht.
Beeinflußt der Mantra-Gesang die Schlafqualität?
An einer Stelle der altindischen Schriften Upanischaden heißt es: "Im Schlaf steht der Mensch seinem Selbst, dem Atman, nahe". Der Schlaf selbst ist ein Mysterium und ließ der Forschung noch viele Fragen offen. Die Beseitigung von Schlafstörungen mit natürlichen Mitteln ist eine wichtige Angelegenheit. Bereits in der Antike wurde der Schlaf zur Heilung eingesetzt und als Heilschlaf bezeichnet. Heilschlaf wurde mit der Rezitation von Sprüchen und Musik eingeleitet. Die Einleitung des Schlafes mit Mantra-Gesängen soll einen ähnlichen Zweck erfüllen, dabei wird die beruhigende Wirkung der Wiederholung zur Überleitung in den Schlaf genutzt. Die Mantras wirken dann auf das Unterbewußte weiter und setzen ihre wohltuende Schwingung noch eine Weile fort.
Wie werden die Mantra-Gesänge musikalisch begleitet?
Bei den Mantra-Gesängen handelt es sich um zeitgenössische Sakralmusik, aufbauend auf durch Mantras inspirierten Meditationserfahrungen. Maßgeblich ist hierbei die Entwicklung der durch die Singstimme geleiteten Mantras aus einem noch undifferenzierten Musikstrom. Der undifferenzierte Klangstrom gilt als kosmisches Klangäquivalent endloser und ungeformter Energie und ist daher Ursprung und Gestaltungsmasse jeder Schöpfung. Dieser Klangstrom wird in der indischen Musik traditionell durch das indische Saiteninstrument Tanpura als Begleitung von Gesang und Soloinstrumenten als ständig gegenwärtiger Urklang im Hintergrund mitgeführt. Der charakteristisch surrende Klang erzeugt dabei eine kosmisch pulsierende Klangenergie, in der der Hörer endlose Melodien und Rhythmen hineinzuhören glaubt, sie sind quasi vorhanden aber unmanifestiert und werden nur als Potential erahnt. Auf der Basis dieser auf einen Grundton gestimmten Klangmasse erhebt sich der Mantra-Gesang, der aus geheimnisvollen Sanskrit-Silben besteht. Der Mantra-Gesang lebt aus der mystischen Verschmelzung mit dem Grundton, der als vorschöpferische Urkraft empfunden wird. Er ist aktuell praktizierte geistige Übung in der der Musikmystiker während seiner Übung versucht sich von seiner oberflächlichen äußeren Natur über die Tiefe des Klangs zu seinem seelischen Ursprung und zu seiner Mitte zu gelangen. Die Mantras werden intermittierend von Pausen gesungen. In diesen Pausen findet eine weitere stillschweigende Verinnerlichung statt, in dem der Nachhall und die Resonanz auf das menschliche Gemüt nachgespürt wird. (Mohani Heitel, aus Indien stammende Ärztin, Psychotherapeutin und Mantra-Sängerin, http://www.smirti.de/mant.htm)




