Siddhi

Siddhi bedeutet allgemein "Fähigkeit". Dieser Begriff wird in den yogischen Schriften in verschiedenen Zusammenhängen benutzt. Im weitesten Sinne bedeutet Siddhi "Errungenschaft" oder "Erfolg".

Im etwas engeren Sinne ist der Begriff gleichbedeutend mit "Samsiddhi" (Perfektion, Befreiung). Manchmal wird dies auch als die "große Errungenschaft" (maha-siddhi) bezeichnet.
Dazu sagt die Shiva-Samhita, dass es sechs spezifische Voraussetzungen, um Erfolg beim Yoga zu haben:
1. Vishvasa: Vertrauen in den spirituellen Weg und darin, dass die eignen Bemühungen Früchte bringen.
2. Shradha: Glauben
3. Guru-Pujana: Lobpreisen der Lehrers (auch der innere Lehrer!)
4. Samata-Bhava: Gelassenheit - psychische Balance
5. Indriya-Nigraha: Kontrolle der Sinne
6. Pramita-Ahara: moderate Ernährung

Eine dritte und sehr wichtige Bedeutung des Begriffs Siddhi sind "paranormale Errungenschaften" oder "magische Fähigkeiten". Im Yoga-Bija kann man darüber lesen:
Der Yogi hat undenkbare Kräfte. Derjenige, der die Sinne beherrscht, kann alleine durch seinen Willen verschiedene Formen annehmen und sie auch wieder verschwinden machen."
Schon in den alten Zeiten wurden Yogis nicht nur als Heilige betrachtet, sondern auch als Wundertäter gefürchtet, deren Kräfte vielfältig und deren Flüche mächtig waren.

Das Wort Siddhi kommt vom gleichen Wortstamm wie Siddha (Adept). Das ist jemand, der seinen Körper und Geist gemeistert hat - genauso wie die Kräfte der Natur.

Die Kräfte des Yogis werden als Nebenprodukt des spirituellen Prozesses erachtet, besonders aus dem Prozess der Extase (Samyama).
Die Yoga-Shikha-Upanishad spricht von zwei Grund-Typen paranormaler Kräfte:
1. die künstlichen Kräfte (kalpita) und
2. die nicht-künstlichen Kräfte (akalpita)

Die ersten sind das Ergebnis von Kräutern, Ritual, Magie oder die Benutzung von Mantras (Mantra, Mantras) und alchemistischen Elexieren. Sie sind flüchtig, vorübergehend und wenig effektiv.
Die zweiten kommen jedoch aus tiefem Selbst-Vertrauen, sind bleibend, höchst effektiv und gottgefällig. Sie manifestieren sich von selbst in demjenigen, der frei von Begierden ist - dem echten Siddhi.

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z